| Veranstaltung: | Mitgliederversammlung am 6. Juni 2026 |
|---|---|
| Status: | Beschluss |
| Beschluss durch: | Mitgliederversammlung |
| Beschlossen am: | 06.06.2026 |
| Antragshistorie: | Version 2 |
Braunschweig Familienstadt: Zukunftschancen von Anfang an
Text
Braunschweig soll eine Stadt sein, in der Kinder und Jugendliche nicht nur
leben, sondern ihre Umgebung aktiv mitgestalten können. Wir wollen eine
familienfreundliche Stadtgesellschaft, die soziale Teilhabe unabhängig vom
Geldbeutel ermöglicht und Räume schafft, in denen sich junge Menschen frei
entfalten können.
Kinder stehen für uns im Mittelpunkt. Jedes Kind ist unterschiedlich, aber
gleichermaßen wertvoll und muss umfassend gefördert werden. Die Lebenslagen von
Kindern und Jugendlichen sind heute so divers wie nie. Kinder wachsen oftmals in
multiplen Problemlagen auf. Kinderschutz in allen Bereichen ist gefragter als
jemals zuvor. Für uns hat deshalb Kinder- und Jugendpolitik eine herausragende
Bedeutung.
Bildung und Betreuung: Verlässlich, modern und nah am Wohnort
Eine gute Betreuung ist der Grundstein für Chancengerechtigkeit. Wir wollen
dabei eine hohe Qualität und gleichzeitig auch Verlässlichkeit in der Betreuung
erreichen.
Kinderbetreuung - Standorte erhalten, Qualität stärken: Trotz
vorübergehend sinkender Kinderzahlen halten wir an allen Einrichtungen
fest. Jedem Kind muss ein Platz in einer Einrichtung oder in der
Tagespflege möglichst wohnortnah zur Verfügung stehen. Die aktuelle
Situation wollen wir gezielt dazu nutzen, um die Qualität der Betreuung zu
erhöhen.
Kindertagespflege stärken - Wertschätzung und Verlässlichkeit: Wir setzen
uns insbesondere bei der U3-Betreuung für faire Bedingungen ein. Das
bedeutet für uns: eine angemessene Vergütung, ein unbürokratischer,
wertschätzender Umgang mit den Tagespflegepersonen sowie ein geregelter
Kita-Übergang erst zum neuen Kita-Jahr, um Stabilität für Kinder und
Einrichtungen zu garantieren.
Fachkräftemangel bekämpfen – Verlässliche Betreuung sichern: Wir begegnen
dem Personalmangel durch den gezielten Ausbau dualer Ausbildungsplätze.
Unser Ziel ist eine absolut verlässliche Kinderbetreuung über den gesamten
Zeitraum. Hierfür müssen alle kommunalen Spielräume voll ausgeschöpft
werden, damit zeitweise Schließungen, verkürzte Betreuungszeiten und
Notdienste die absolute Ausnahme bleiben.
Kitas sind Bildungseinrichtungen. Wir müssen die Sprachbildung im Kita-
Alltag stärken, die Sprachförderung durch spezielle Programme ausbauen und
die Kompetenzen der Kinder fördern, die laut Niedersächsischem
Orientierungsplan für Bildung und Erziehung erforderlich sind. So stellen
wir sicher, dass alle Kinder zu Beginn der Schulzeit gut vorbereitet sind
und die bestmöglichen Startbedingungen haben.
Gesunde und bezahlbare Ernährung. Jedes Kind soll ein gesundes Mittagessen
erhalten, das für alle bezahlbar ist. Unser Ziel ist, dass ein Mittagessen
in einer Kita oder Einrichtung nicht teurer angeboten wird, als die
Herstellung zu Hause kostet. Langfristig wollen wir ein kostenfreies
Mittagessen für alle Kinder.
Kinderrechte und echte Mitwirkung
Kinder und Jugendliche sind Expert*innen in eigener Sache. Wir wollen, dass
Braunschweig offiziell als „Kinderfreundliche Kommune“ zertifiziert wird und
ihre Rechte fest im städtischen Handeln verankert werden.
Starke demokratische Teilhabe: Wir setzen uns für den dauerhaften Erhalt
und die Weiterführung des Jugendbüros inkl. des städtischen Fachpersonals
und des Jugendparlaments ein. Die Immobilie am Standort in der Friedrich-
Wilhelm-Straße 3 können wir uns bei passenden Konditionen als
langfristigen Standort vorstellen. Junge Menschen müssen die Möglichkeit
haben, politische Prozesse direkt zu beeinflussen. Deshalb machen wir ihre
Beteiligung zur verbindlichen Voraussetzung für alle Entscheidungen, die
Ihre Interessen betreffen. Dazu gehört auch, dass das Jugendparlament in
den Fachausschüssen im Rat der Stadt vertreten ist.
Wir streben eine integrierte Beteiligungslandschaft in Braunschweig an,
in der verschiedene Jugendbeteiligungsformate zusammengreifen und
gemeinsam die Perspektiven in die Stadtpolitik einbringen.
Kontinuierliche Beteiligung: Bei der Gestaltung von Spiel- und
Jugendplätzen setzen wir auf eine kontinuierliche Beteiligung von Kindern
und Jugendlichen. Sie wissen am besten, ob eine Kletterwand, ein Parcour-
Element oder ein BMX-Platz gebraucht wird.
Kinderrechten Raum geben: Wir orientieren uns an den Kinderrechten der
Vereinten Nationen. Wir wollen unser Vorgehen an den Maßstäben der
Kinderrechte orientieren und mit einem Ort der Kinderrechte ein deutliches
Zeichen setzen.
Hilfen zur Erziehung, Präventionsarbeit und Kinderschutz
Gerade in Zeiten knapper Kassen darf es keinen Rückzug aus der sozialen
Verantwortung geben – wir stehen für eine verlässliche und schützende Begleitung
junger Menschen in Braunschweig.
Präventive Arbeit ausbauen: Angesichts zunehmender Herausforderungen wie
Sucht- und Drogenproblemen, psychischen Belastungen, Gewalt und sozialer
Isolation stärken wir die Prävention in allen Feldern der Jugendhilfe. Wir
bauen frühzeitige Unterstützungsangebote aus, insbesondere in den
Bereichen Suchthilfe, mentale Gesundheit und Gewaltprävention. Unser Ziel
ist es, den gesellschaftlich gravierenden Auswirkungen und hohen
Folgekosten frühzeitig entgegenzuwirken und jungen Menschen stabile
Zukunftsperspektiven zu bieten.
Netzwerke und Trägervielfalt sichern: Wir setzen auf den Ausbau des
Netzwerks Kinderschutz und der „Frühen Hilfen“ im Jugendamt. Dabei ist der
Erhalt unserer vielfältigen Trägerlandschaft unverzichtbar, um eine breite
Unterstützung und ein differenziertes Angebot für Familien dauerhaft
vorzuhalten.
Schutzräume und Qualität garantieren: Wir fordern zusätzliche Kapazitäten
für die Inobhutnahme sowie den Ausbau ambulanter und stationärer
Maßnahmen. Trotz der Finanznot Braunschweigs darf die Qualität der
Jugendhilfe nicht zum „Steinbruch“ werden – Verlässlichkeit im
Kinderschutz hat für uns oberste Priorität.
Freiräume und soziale Teilhabe
Junge Menschen brauchen Orte, an denen sie sich ohne Konsumzwang aufhalten
können. Gleichzeitig müssen wir Familien finanziell entlasten.
Modernisierung von Spiel- und Begegnungsorten: Wir setzen uns für die
konsequente Sanierung und Modernisierung von Spiel- und Jugendplätzen ein.
Dabei fördern wir auch Generationenspielplätze, die Jung und Alt
zusammenbringen und die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen
ermöglichen.
Jugendkultur fördern: Wir machen uns für die priorisierte Sanierung des
Jugendzentrums B58 stark. Wir setzen uns für höhere Finanzmittel und eine
erneute Prüfung eines potenziellen Neubaus ein, um dieses wichtige
kulturelle Zentrum zu erhalten. Die Modernisierung oder der Neubau dieses
wichtigen kulturellen Zentrums darf nicht an den notwendigen Finanzmitteln
scheitern und Jahr für Jahr verschoben werden.
Freiräume für junge Menschen: Bei der Stadtentwicklung setzen wir uns
dafür ein, unreglementierte Räume für Jugendliche mitzudenken. Junge
Menschen brauchen Plätze in allen Bereichen der Stadt, an denen sie
einfach „sein“ dürfen. Außerdem wollen wir selbstverwaltete Jugendräume
und Projekte in Jugendzentren stärken und insbesondere die Mitbestimmung
in der (offenen) Kinder- und Jugendarbeit ausbauen.
Urlaub und Freizeit ermöglichen: Wir setzen uns für eine stärkere
Subventionierung von Ferienfreizeiten ein, damit auch Kinder aus
einkommensschwachen Familien teilnehmen können. Daher unterstützen wir
weitere Sanierungen am Jugendzeltplatz Lenste.
Soziale Gerechtigkeit und Mobilität
Gute Politik für Familien bedeutet auch, finanzielle Barrieren abzubauen und den
Alltag bezahlbar zu machen.
Kampf gegen Kinderarmut: Wir setzen uns für die konsequente Umsetzung und
die Aktualisierung des Handlungskonzepts Kinderarmut ein. Angesichts der
Zunahme der Kinder- und Familienarmut und der daraus resultierenden
Folgen, brauchen wir ein Konzept, das bei allen für Kinder und Familien
wichtigen Entscheidungen auch die Armutssensibilität prüft und Zugänge
ermöglicht. Dabei sollen auch Eintritte in öffentliche Einrichtungen, wie
Museen und Schwimmbäder Berücksichtigung finden.
Bezahlbarer Alltag für Familien und Sorgegemeinschaften: Wir wollen, dass
der Alltag für Familien, Alleinerziehende und andere Sorgegemeinschaften
verlässlich und bezahlbar bleibt. Dazu gehören gute Betreuung und Bildung
ebenso wie bezahlbare Mobilität, Energie und Freizeitangebote. Wir setzen
uns für kurze Wege, gut erreichbare Infrastruktur und gezielte
Entlastungen ein. Angebote wie die Jugendferiencard wollen wir einführen
und weitere Ermäßigungen wollen wir stärken und ausbauen, damit Teilhabe
im Alltag für alle möglich ist.